
So sah dieses Stück Land in den 1930er Jahren aus. Der Leuchtturm leuchtet seit 1866. Daneben — eine Holländerwindmühle, die Mehl mahlte. Und rundum, bis zum Horizont, wogte ein Getreidefeld.
Drei Fotografien aus den 1930er Jahren — alle aufgenommen beim Leuchtturm, etwa 5-7 Min Fußweg vom Ort entfernt, an dem wir heute wirken. Leuchtturm, Windmühle, Getreidefeld. Zur Mühle ging man zu Fuß, den Sack auf der Schulter.
Quelle: polska-org.pl · Fotografien: Zbigniew Franczukowski (bynio), Parsley
Es ist kein Zufall, dass unsere Pizzeria unter dem Leuchtturm steht, und nicht irgendwo anders. Dieser Ort hat eine lange Erinnerung an Ackerbau und Mühlenwesen, von der die meisten Touristen nichts wissen. Wir haben beschlossen, sie zu erinnern — für jene, die bei uns für eine Pizza Platz nehmen.
Denn da war zuerst das Korn. Dann der Wind. Dann das Mehl. Erst ganz am Ende — das Brot. Und die Pizza. Dieselbe Logik, die wir bis heute in unserer Küche achten: man geht nicht vom Gericht zur Zutat, man geht vom Boden zum Teller.
15. Mai 1863 — das deutsche Schifffahrtsministerium erlässt die Verordnung über den Bau eines Leuchtturms auf der Steilküste in Horst (heute Niechorze). Drei Jahre Bauzeit, Kosten 56.000 Taler. 1. Dezember 1866 — das erste Licht. Es brannte damals mit weißem Rapsölöl, später Petroleum — Strom wurde erst 1929 angeschlossen.
45 Meter hoch, errichtet auf einer 22-Meter-Steilküste — insgesamt erreicht das Licht über 65 Meter über dem Meeresspiegel. Der Strahl ist aus 23 Seemeilen (ca. 42 km) sichtbar. Der Turm aus rotem Klinker, gekrönt mit einer Kupferlaterne. Das ist einer der höchsten Leuchttürme an der polnischen Westküste — und eines der besterhaltenen Bauwerke des 19. Jahrhunderts in der Region.
Seit 160 Jahren leuchtet er ununterbrochen. Er überstand zwei Kriege, Grenzverschiebungen, den Wechsel der Sprache der Bewohner. 1945 hinterließen die Deutschen ihn unversehrt — heute ist er ein technisches Denkmal, geöffnet für Besucher, mit Aussichtsplattform ganz oben. Er ist die einzige bewahrte Kontinuität in unserer Umgebung — und er markiert die Linie, auf die wir täglich aus unserem Außenbereich blicken.
Am Fuße des Leuchtturms — noch vor dem Zweiten Weltkrieg — stand eine Holländerwindmühle. Holzkonstruktion, mit dem charakteristischen drehbaren Kappendach und einem kleinen Windrad hinten. Sie mahlte Korn für die umliegenden Höfe. Die drei Fotografien oben sind Zeugnis dafür, dass auf der Steilküste in Niechorze tatsächlich ein Getreidefeld und eine echte Windmühle standen.
Die Windmühle überstand den Krieg nicht. Mehrere Jahrzehnte stand der Platz unter dem Leuchtturm leer. Erst 2021 wurde im Rahmen des Ethnografischen Parks (ul. Ludna 22, am Fuße des Leuchtturms) die alte Landschaft rekonstruiert — diesmal mit einer Bockwindmühle von 1848 aus Orkowo im Kreis Śrem, Großpolen. Der älteste Typ der polnischen Windmühle: Holzkonstruktion, drehbar auf einem zentralen Pfahl.
Anderer Konstruktionstyp als der Vorkriegs-Holländer, aber derselbe lebendige Beweis: heute drehen sich wieder die Flügel, es wird wieder Korn live für die Besucher gemahlen. Die Flügel drehen sich vom Ostseewind — demselben, der unsere Sonnenschirme im Außenbereich klappern lässt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben in Polen etwa 7.000 Bockwindmühlen erhalten. Heute — nur wenige. Niechorze hat seine. Und nicht als Nachbau — als Original. · 24kurier.pl, Ethnografischer Park in Niechorze

Schau dir die mittlere Fotografie genau an. Im Vordergrund — Getreidegarben. Das ist keine Inszenierung, kein Bühnenbild. Das ist ein echtes Weizenfeld am Fuße des Leuchtturms in den 1930er Jahren.
Friedrich Duve — Bauer und Fischer — war bereits 1856 Besitzer der Mühle in Horst. Niechorze war schon immer ein gemischtes Dorf: Fischer am Meer, Bauern im Landesinneren. Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts — der Hof mit der Mühle gehörte der wohlhabenden Bauernfamilie Müller und arbeitete ununterbrochen bis 1945. Mehl wurde an Höfe von Niechorze, über Pogorzelica bis Pobierowo verteilt.
Niechorze war nicht das einzige. Die ganze Gemeinde Rewal hatte ihre Windmühlen — im Nachbardorf Lędzino drehten sich Windräder ebenfalls über Weizen- und Roggenfeldern. Ostseeküste, Steilküste, Wind vom Meer — das waren ideale Bedingungen für die Windmüllerei. Jedes Dorf hatte sein Stück Feld, seine Windmühle, sein Mehl.
Nach dem Krieg änderte sich alles. Grenzen, Bewohner, Eigentum, Wirtschaft. Die Windmühlen verschwanden. Die Felder verschwanden unter Straßen und Pensionen. Niechorze wurde das, was es heute ist — ein Sommerort. Aber noch vor nicht allzu langer Zeit gab es hier Mehl. Hier ging man mit dem Sack zu Fuß zur Mühle.
Wenn wir heute Mehl aus Padua für unsere Pizza bestellen, erinnern wir uns daran, dass
in Niechorze auch einmal Getreide wuchs.
Dieser Kreislauf kehrt zurück, in etwas anderer Form.
Schau auf unseren Hashtag # — vier geneigte Linien. Das sind Getreidefelder, vom Meereswind gestreichelt. So verneigen wir uns leise, in unserem Zeichen, vor dieser Geschichte.
BoMorze haben wir 2021 eröffnet — als Schwester-Marke von Kergulena, der Fischbraterei, die nebenan steht und ununterbrochen seit 1976 wirkt. Fünfzig Jahre derselben Familie an einem Ort.
Die Idee war einfach: Küstengastronomie sollte auch eine italienische Stimme haben. Neapolitanische Pizza, echte Pasta, Signature Cocktail Bar. Alles, was auf der anderen Straßenseite fehlte.
Die Windmühle kam im selben Jahr zurück, 2021 — die aus Orkowo. Wir wollten nicht eines Tages aus dem Fenster auf sie schauen und nicht verstehen, dass wir Teil einer längeren Geschichte sind. Mehl aus Padua — ja. Tomaten vom Vesuv — ja. Aber auch Korn, gemahlen unter demselben Leuchtturm seit dem 19. Jahrhundert.
Niechorze · seit 2021
Älteste Erwähnung der Müllerei in Niechorze (damals dt. Horst). Bauern- und Fischerdorf.
1. Dezember, erstmals leuchtet er über die Ostsee. 45 m hoch, 22 m Steilküste, 56 Tsd. Taler Kosten.
Eine Holländerwindmühle steht unter dem Leuchtturm. Getreidefeld ringsum. Weitere Windmühlen in Lędzino und Nachbardörfern der Gemeinde Rewal.
Die Familie Reutt eröffnet eine Fischbraterei an der Mazowiecka. 50 Jahre Tradition immer noch unter derselben Adresse.
Anderer Typ als die Vorkriegs-Holländer, aber derselbe Wind über Niechorze. Ethnografischer Park an der ul. Ludna 22 (unter dem Leuchtturm). Im selben Jahr eröffnet neben Kergulena BoMorze.
Vom BoMorze-Ofen bis zu den Flügeln der Windmühle — 5-7 Min Fußweg durch Niechorze. Korn aus Padua, Tomate vom Vesuv, Leuchtturm von 1866. Alles im selben Ort.
5 Min zu Fuß. Windmühle, Leuchtturm, Wellenbrecher. Abends reicht das Licht bis zu uns, in den Außenbereich.
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